GESCHICHTE

 

Der Park Palmetum von Santa Cruz öffnete seine Tore im Jahre 2014. Die Entstehungsgeschichte ist jedoch äußerst speziell: Bis zum angestrebten Ergebnis dauerte es mehr als zwanzig Jahre!

Die Anlage erstreckt sich über einen künstlich geschaffenen Hügel, ursprünglich eine riesige Müllhalde aus den 70er Jahren. Seit 1996 arbeitete man daran, diesen so verkommenen Ort in ein Naturparadies zu verwandeln.

1983 - DIE MÜLLHALDE WIRD GESCHLOSSEN

Offiziell wurde die Mülldeponie 1983 geschlossen. Zurück blieb ein 40 Meter hoher, Müllberg, ein unwirtlicher Lebensraum für Pflanzen, denn der Wind fegte ständig sowohl Staub, salzige Meeresluft als auch die üblen Gerüche des gärenden Mülls hin und her. In den darauffolgenden Jahren entstand bei der Öffentlichkeit eine heftige Debatte, was man mit diesem Müllberg machen sollte. Man erwägte, diesem Stadtteil einen Aufschwung zu geben, eine Konzerthalle zu bauen oder andere Ideen umzusetzen. Tatsache aber blieb, dass der Hügel mehrere Jahre lang in Vergessenheit geriet. Zu Beginn der 90er Jahre nahm man allmählich die Idee des Landwirtschaftsingenieurs Manuel Caballero ernst. Der palmenliebende Experte schlug einen botanischen Garten auf dem geschlossenen Müllberg vor.

1995 - 1996 - EIN PROJEKT BEGINNT

Die Ideen entwickelten sich zu einem Projekt und der Palmenpark Palmetum wurde in den Medien veröffentlicht. 1996 begannen die Bauarbeiten der ersten Phase mit beinahe vier Millionen Euro, die hauptsächlich vom Europäischen Fonds beigesteuert wurden. Geleitet wurden die Arbeiten von Manuel Caballero und den Bauingenieuren José Luis Olcina und Juan Alfredo Amigó. Der Hügel verwandelte sich langsam: Der Müll wurde mit fruchtbarer Erde bedeckt, die Wege freigelegt und man installierte ein gewaltiges Abluftsystem mit Schächten, Pumpen und einer Feuersäule, in der die entweichenden Gase verbrannt wurden.

 

Gleichzeitig begann man mit der Palmensammlung. Im Frühling 1996 nahm der Biologe Carlo Morici die Arbeit für die botanischen Angelegenheiten auf und richtete ein Netz mit technischen Kontakten ein. Der größte Teil der Pflanzen wurde in Gewächshäusern gezogen. Die entsprechenden Samen importierte man aus verschiedenen Ländern, häufig aus botanischen Instituten, die zur jeder Pflanze detaillierte Angaben machten.

1997 - 1999 - GEBÄUDE UND PFLANZUNG

Der Bau am Müllberg ging zügig vorwärts: Man errichtete das Achteck, das Palmenmuseum, die Flussläufe, Wasserfälle und andere Strukturen.

 

Man griff auf Carlos Simón, Experte der Bildenden Künste, zurück, um das Bauwerk mit dem entsprechenden Charakter zu prägen: den Wasserfällen und den großen Felsformationen beim Fluss und den Seen. Simón leitete als Kenner der Tropenvegetation die Pflanzungen der ersten Palmen, darunter große, importierte Bäume, vor allem der Gattungen RoystoneaSabalCocosElaeis und Acoelorraphe, sowie mehr als hundert kleinerer Arten. Aus dieser Zeit stammen auch einige Feigenbäume, die gegenwärtig in verschiedenen geographischen Bereichen eine beachtliche Größe erreicht haben, ferner einige Bäume des Achtecks und die Baumgruppen, welche das Plateau gegen Norden und Nordosten hin vom Wind schützen.

 

Der anfängliche Wuchs der Pflanzen war schwierig. Nach der Umpflanzung in den noch kahlen Hügel zog sich der weitere Anpassungsprozess über Monate und Jahre hinaus.

 

In diesem Zeitraum aber stieg die Kollektion durch gezüchtete Exemplare und neue Pflanzen auf mehr als 400 Palmenarten an. Die Zusammenarbeit mit anderen botanischen Gärten der Welt wurde immer bedeutender. Beim Besuch in tropischen Ländern erhielt man einzigartige Exemplare für die Palmensammlung, untersuchte die dortigen Palmen und erwarb zudem wichtige, ethnografische Einzelstücke.

 

Gleichzeitig baute man das Palmenmuseum für botanische und ethnografische Ausstellungsobjekte. Der nordamerikanische Experte Dennis Johnson wurde beauftragt, die ersten Gegenstände zu erlangen, darunter so unterschiedliche Elemente wie Hüte, Skulpturen, Arzneimittel oder Kanus.

2000 - 2006 - JAHRE DES WARTENS

Nach Beendigung der ersten Bauphase erlitt das Projekt eine Verzögerung. Der Park blieb geschlossen, die Anlagen wurden nur minimal instand gehalten. Einige der anfälligsten Pflanzen starben, andere wurden in Gewächshäuser der Stadtverwaltung umgepflanzt. Weniger als ein Drittel des ganzen Hügels war bepflanzt. Die Zeit verstrich – aber die widerstandsfähigsten Pflanzen gediehen und bildeten allmählich eine „Gartenlandschaft“.

 

Kleinere Schritte wurden vorgenommen, bis in den Jahren 2000 und 2002 die Stadtverwaltung zwei Abkommen mit dem Arbeitsamt für arbeitslose Personen schloss. Die geografischen Bereiche der Pazifikinseln wurden gegründet und mit Exemplaren bepflanzt, die heute zu den Schmuckstücken des Parks gehören, wie die Baobabs, Bauchpalmen, Araukarien und Mangroven. Wiederum übernahm Carlo Morici die technische Leitung und legte in den darauffolgenden Jahren auch die Landschaftsgestaltung für die neuen Pflanzungen und Gartenanlagen fest.

 

Für einen großen Teil der Bevölkerung war der Palmenpark dazumals bloß eine verlassene Baustelle. Andere Personen jedoch verfolgten mit großem Interesse und Bewunderung, wie die Pflanzen zunehmend wuchsen. Internationale Zeitschriften veröffentlichten Reportagen, und Ende 2004 stattete eine Gruppe des französischen Vereins für Palmen „Fous de Palmiers“ dem Palmenpark Palmetum einen offiziellen Besuch ab.

 

Im selben Jahr wurden die aktuellen Grenzen der einzelnen biogeographischen Bereiche festgelegt. Die Inseln der Welt erhielten dabei mehr Platz. Zudem wurde der Plan des Palmenparks Palmetum auf dem Kongress der International Biogeographical Society vorgestellt.

2007 - 2009 - VERBESSERUNGEN AN DEN ABHÄNGEN UND NEUE BIOGEOGRAPHISCHE BEREICHE

Die vor zehn Jahren gepflanzte Vegetation wuchs zwar immer üppiger, bedeckte jedoch weniger als die Hälfte des Hügels. Immer noch lagen riesige Flächen kahl. 2007 erhielt das Projekt einen neuen Impuls durch finanzielle Mittel der Kanarischen Regierung und der Stadtverwaltung.

 

Die Regierung erteilte den Auftrag, das gewaltige Bewässerungs- und Abluftsystem wieder instand zu setzen und zu verbessern. Ferner sollten die gegen Süden ausgerichteten Abhänge über mehr als drei Hektar hergerichtet werden, denn weiterhin waren sie nur eine Müllhalde.

 

2007 begann die Pflanzung von zwei neuen Bereichen – Neuguinea und Borneo/Philippinen – und Ende desselben Jahres handelte die Stadtverwaltung einen Plan zur Instandhaltung und Verbesserung des botanischen Gartens aus. Die Sammlung stieg weiter an, die kahlen Flächen des Plateaus füllten sich langsam. In jenem Jahr entstand das Register über die kultivierten Pflanzenarten und der digitale Plan des Hügels mit sämtlichen Pflanzen und deren Charakteristika.

 

Ebenfalls im Jahre 2007 wurde der Palmenpark Palmetum „ökologisch“. Das heißt, als natürlicher Bodenbelag wurden zunehmend Pflanzenhäcksel verwendet und man verzichtete auf Herbizide und Pflanzenschutzmittel. Zudem erfolgte die Bewässerung durch wiederaufbereitetes Abwasser der städtischen Kläranlage. Aurea Baena und María Flores von der Abteilung Park und Gärten setzten nämlich gezielte Maβnahmen für den ersten absolut nachhaltigen, öffentlichen Park Spaniens ein. Vielleicht auch deswegen bevölkerten in jenen Jahren immer mehr Vögel den Hügel. 2009 gab es sogar Waldohreulen, die im Achteck ihren Nistplatz festgelegt hatten.

2010 - 2011 - DER BAU, DURCH DEN DER PARK ENTSTAND

Im Frühling 2010 begann der große Bau, der den Palmempark Palmetum in weniger als zwei Jahren der Öffentlichkeit zugänglich machte. Die Wege, Plätze und Aussichtspunkte wurden asphaltiert und mit Steinen eingefasst. Tafeln, Schilder, Beleuchtung, Geländer, Sitzbänke und Müllkörbe wurden installiert. Am Eingang errichtete man ein zweistöckiges Gebäude mit dem Turm und der Brücke als Verbindung zum Plateau, Toiletten, ein neues Gewächshaus und Werkräume. Es war ein kompletter Wandel: Der Palmenpark Palmetum hatte sich zu einem Park für das große Publikum entwickelt. Er war nicht mehr eine experimentelle Fläche, sondern ein einladender Ort mit Spazierwegen und gemütlichen Plätzen.

 

Nachdem der Bau abgeschlossen war, kam es im Oktober 2011 zu einem Treffen der Direktoren der internationalen Vereinigung International Palm Society. Höhepunkt war dabei die Besichtigung des Palmenparks Palmetum. Die großen Persönlichkeiten aus der Welt der Palmen bewunderten den Fortschritt.

2013 – 2014 – ÖFFNUNG FÜR DAS PUBLIKUM

Im Herbst 2013 erfolgt ein erster großer Schritt zur Eröffnung. Die Stiftung für ein nachhaltiges Santa Cruz, „Fundación Santa Cruz Sostenible“, organisierte eine Reihe von geführten Besichtigungen. Für die kommende Eröffnung wurde dem Park zum ersten Mal ein farbenprächtiges Pflanzenbild verliehen. Die ersten Ananasgewächse kamen ins Achteck, aber auch Publikumslieblinge wie die rote Banane und die Vanille. Mehr als 2000 Personen besuchten den noch unbekannten Palmenpark und waren erstaunt, dass die Müllhalde nun keine mehr war. Viele der Besichtigungen endeten mit begeistertem Applaus. Endlich berichtete die lokale Presse über den Palmenpark. Das Palmetum war nicht mehr ein geschlossenes, dem Publikum verborgenes Projekt.

 

Am 28. Januar, nach einer 18jährigen Arbeit, eröffnete der damalige Kronprinz Felipe und seine Gattin Letizia, das heutige spanische Königspaar, den Palmenpark Palmetum. Beim Festakt, organisiert durch die Stadtverwaltung von Santa Cruz, nahmen auch die bedeutendsten Persönlichkeiten der Autonomen Region teil. An dem herrlich sonnigen Morgen besichtigte das Kronprinzpaar die Gartenanlagen während beinahe einer Stunde in Begleitung der Autoritäten und der technischen Mitarbeiter. Danach fand der eigentliche Eröffnungsakt statt, bei dem das königliche Paar eine junge Palme pflanzte, die Roystonea princeps, die „Prinzessin der Königspalmen“. Die jamaikanische Palme wächst nun stolz in der Nähe des Karibik-Wasserfalles.

 

Für diesen Besuch legte der Palmenpark Palmetum ein festliches Kleid an: Endlich wurden viele Gartenanlagen fertiggestellt, Details im ganzen Park gesetzt und neue Pflanzen gepflanzt. Die Gärten um das Eingangsgebäude herum wurden angelegt und das Achteck mit Bromelien- und Aronstabgewächsen sowie anderen attraktiven Pflanzen geschmückt. Seit dieser Eröffnungsfeier steht der Palmenpark Palmetum dem Publikum offen. Er begeht nun seine ersten Schritte, um sich sowohl in der Stadt als auch auf der ganzen Welt einen Platz zu schaffen. Die Pflanzung geht weiter und der Park wird ständig mit unzähligen Details verbessert.

ERSTE MELDUNGEN DER PRESSE ÜBER DEN PALMENPARK PALMETUM

Tageszeitung Diario de Avisos, 15. März 1991, Titelseite sowie Seite 6 und 7

 

Tageszeitung El Día, 20. März 1991 „Der Palmenpark Palmetum, ein ehrgeiziges Projekt im Meerespark“

 

Tageszeitung La Gaceta de Canarias, 14. Februar 1992, Seite 11 „Der Meerespark, ein tropischer Garten, der das Meereswasser der Stadt zuführt“

 

Tageszeitung El Día, 14. Februar 1992, Titelseite und Seite 8 „Ein ehrgeiziges Projekt für die Zukunft“

 

Tageszeitung Diario de Avisos, 14. Februar 1992, Titelseite und Seite 8 und 9 „Der Park wird großartig“

 

Tageszeitung El Dia, 17. Mai 1992, Seite 14 „Der Meerespark ist schon gegründet.“

 

Tageszeitung El Día, 20. Mai 1992, Seite 14 „Der Palmenpark Palmetum, ein tropischer Freizeitpark“

 

Tageszeitung El Día, 18. Oktober 2004, Seite 12 „Französische Palmenliebhaber besichtigen den unvollendeten Palmenpark Palmetum.“

 

Tageszeitung El Día, 23. September 1996, Seite 24 „Die Oase der Wissenschaft“

 

Tageszeitung La Provincia, 15. November 1998, Seite 38 „Santa Cruz erhält einen der größten Palmenparks der Welt“